Besteuerung von Fondsanteilen ab dem 01.01.2018

Seit dem 01.01.2018 hat sich die Besteuerung von Fondsanteilen, wie z.B. Aktienfonds, geändert. Ziel der Reform war, die Besteuerung von Fonds zu vereinfachen und transparenter zu gestalten. Leider hat sich bei der Erstellung der Einkommensteuererklärungen für 2018 bisher gezeigt, dass die depotführenden Banken nicht ausreichend auf die Rechtsänderung vorbereitet waren und die ausgestellten Steuerbescheinigungen für 2018 teilweise nicht stimmen.

Wenn Sie daher im Besitz von Fondsanteilen, z.B. im Rahmen eines Fondsparplans sind, oder mit Fonds an der Börse handeln, möchten wir Sie bitten, unser heutiges Schreiben unbedingt zu beachten.

Kurze Information zur Besteuerung von Fonds ab dem 01.01.2018

Durch die Neuregelung des Investmentsteuergesetzes werden seit dem 01.01.2018 bei sogenannten „Publikum-Fonds“

  • alle Ausschüttungen aus den Fonds, also Ihnen als Anleger gutgeschriebenen Beträge,
  • sogenannte „Vorabpauschalen“ bei thesaurierenden Fonds, und
  • Gewinne aus der Veräußerung von Fondsanteilen

bei Ihnen, als Anleger, besteuert und unterliegen der Kapitalertragsteuer. Aufgrund der Rechtsänderung können daher seit dem 01.01.2018 beispielsweise Erträge nicht mehr steuerfrei wiederangelegt werden, ausländische Quellensteuern angerechnet oder bei Kapitalgesellschaften die Steuerbefreiungen nach § 8b Abs. 2 KStG in Anspruch genommen werden. Im Gegenzug wurden die Fondserträge, abhängig von Anleger und Fondsart teilweise von der Steuer freigestellt.

So müssen Sie als Privatanleger künftig Erträge aus Aktienfonds (Aktienanteil > 50%) lediglich noch zu 70% versteuern, Erträge aus Mischfonds (Aktienanteil >= 25%) zu 85 %. Den jeweils steuerfreien Teil können Sie nachstehender Tabelle entnehmen:

Anlage im / über:

 

Fondsart:

Privat-anleger

Einzelunternehmen / Personengesellschaft

Kapitalgesellschaft

AbgSt.

ESt.

GewSt.

KSt.

GewSt.

Aktienfonds (> 50 % Aktien)

30 %

60 %

30 %

80 %

40 %

Mischfonds (>= 25 % Aktien)

15 %

30 %

15 %

40 %

20 %

Immobilienfonds (> 50 % Immobilien)

60 %

60 %

30 %

60 %

30 %

Immobilienfonds (> 50 % Auslandimmos)

80 %

80 %

40 %

80 %

40 %

Sonstiges Fonds (z.B. Rentenfonds, Mischfonds mit Aktienquote < 25 %)

0 %

0 %

0 %

0 %

0 %

Keine Änderungen ergeben sich dann, wenn Sie ausschließlich mit Aktien und anderen Wertpapieren handeln oder beispielsweise im Besitz fondsgebundener Lebensversicherungen sind. Hier verbleibt es bei den bisherigen Regelungen.

Übergangsgewinne/-verluste zum 01.01.2018

Nachdem die Besteuerung der Fonds ab dem 01.01.2018 gänzlich neu geregelt wurde, kommt es zum 01.01.2018 zu einer fiktiven Veräußerung der Fonds mit der Entstehung eines Überganggewinns bzw. -verlusts zum 01.01.2018. Dabei ermittelt sich der Veräußerungsgewinn aus der Differenz zwischen Rücknahmepreis am 31.12.2017 und ursprünglichen Anschaffungskosten. Dieser Gewinn (oder Verlust) erfasst insbesondere auch Fonds, die vor Einführung der „Abgeltungsteuer“ zum 01.01.2009 angeschafft wurden. Der Gesetzgeber hat sich zu einem klaren Schnitt entschieden, so dass für „Altanteile“ künftig kein Bestandsschutz mehr gilt.

Sämtliche Fonds gelten als zum Ablauf des 31.12.2017 als veräußert (Entstehung von Kapitalertragsteuer nach „altem Recht“) und mit Beginn des 01.01.2018 als wieder angeschafft (nach „neuem Recht“). Insbesondere dann, wenn es nach dem 01.01.2018 zu Veräußerungsverlusten kommt, kann dies wegen der Teilfreistellung zu steuerlichen Nachteilen führen.

Teilweise fehlerhafte Steuerbescheinigungen für 2018

Die depotführenden Banken sind gesetzlich verpflichtet, Ihnen, als Anleger, Steuerbescheinigungen auszustellen, die alle notwendigen Angaben zur Erstellung Ihrer Steuererklärung enthalten. Zudem sind die Banken verpflichtet, die zu besteuernden Kapitalerträge korrekt auszuweisen.

Leider hat sich bei der Erstellung der Einkommensteuererklärungen für 2018 gezeigt, dass die Steuerbescheinigungen für das Jahr 2018 teilweise fehlerhaft sind. So wurden Übergangsgewinne auf das „neue Recht“ teilweise überhaupt nicht bzw. überhöht ausgewiesen und bei der Veräußerung von Fondsanteilen wurden die bereits als Übergangsgewinn besteuerten Beträge nicht berücksichtigt. Hinzu kommt, dass der zum 01.01.2018 eingeführte Freibetrag in Höhe von 100.000 € bei der Veräußerung von Fondsanteilen, die vor dem 01.01.2009 angeschafft wurden, nicht automatisch beachtet wird. Hierdurch kann es bei der Veräußerung von „Altanteilen“ zu gravierenden steuerlichen Nachteilen kommen.

Bei der Erstellung Ihrer Einkommensteuererklärung für 2018 möchten wir Sie daher um Mitteilung bitten, ob wir die Kapitalerträge gemäß Steuerbescheinigung ansetzen, oder die von den depotführenden Banken mitgeteilten Werte überprüfen sollen. Falls Sie eine Überprüfung wünschen, werden wir den entstehenden Aufwand gerne gemeinsam abschätzen und Ihnen mitteilen. Wir sind uns sicher, gemeinsam mit Ihnen eine gute Lösung bei diesem (sehr) ärgerlichen Thema zu finden.