Forschen Sie steueroptimiert!

Seit dem 1. Januar 2020 werden die Aufwendungen für Forschungs- und Entwicklungsvorhaben in den Kategorien Grundlagenforschung, industrielle Forschung und experimentelle Entwicklung steuerlich gefördert. Diese neue steuerliche Förderung tritt neben die bereits bestehenden Projektförderungen (z.B. ZIM, Innovationsgutscheine) und soll insbesondere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten bei kleinen und mittleren Unternehmen anregen.

Anspruchsberechtigte Unternehmen

Anspruchsberechtigt sind alle Unternehmen, die Forschung und Entwicklung betreiben und in Deutschland steuerpflichtig sind. Im Gegensatz zu anderen Förderprogrammen, wie z.B. ZIM, kommt es nicht auf die Unternehmensgröße, Mitarbeiterzahl etc. an. Ebenso profitieren Unternehmen aller Branchen von der neuen Forschungszulage.

Gemäß § 9 Abs. 2 FZulG besteht nur dann kein Anspruch auf Förderung, wenn sich das Unternehmen in Schwierigkeiten befindet. Gemäß AGVO ist das der Fall, wenn bei einer GmbH beispielsweise das Stammkapital aufgrund von Verlusten zu mehr als 50 % verlorengegangen ist (Gegenausnahme: Startups, die noch keine drei Jahre bestehen) oder die Voraussetzungen für die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens vorliegen. Ebenso ist eine Förderung ausgeschlossen, wenn das antragstellende Unternehmen einen zu hohen Verschuldungsgrad hat (buchmäßige Verschuldungsgrad > 7,5 oder EBITDA basiertes Zinsdeckungsverhältnis < 1,0).

Begünstigte Forschungs- und Entwicklungsvorhaben

Grundsätzlich sind alle Forschungs- und Entwicklungsvorhaben begünstigt, mit deren Arbeiten nach dem 1. Januar 2020 begonnen wurde. Zudem müssen sie als Grundlagenforschung, industrielle Forschung oder experimentelle Entwicklung im Sinne der AGVO zu qualifizieren sein. Hierunter zählen beispielsweise auch Arbeiten zur Konzeption, Planung und Dokumentation neuer Produkte, Verfahren und Dienstleistungen, der Bau von Prototypen und Maßnahmen zur Erprobung und Evaluierung neuer oder verbesserter Produkte.

Die Förderfähigkeit des jeweiligen Forschungs- und Entwicklungsvorhabens wird von einer sogenannten „Bescheinigungsstelle“ geprüft. Dabei hat der Gesetzgeber darauf geachtet, dass die Prüfung unbürokratisch erledigt werden kann (ob dies dann tatsächlich der Fall sein wird, wird die Praxis zeigen).

Wird die Bescheinigung zur Förderfähigkeit dann erteilt, können wir, als Steuerberater, den Antrag auf Forschungszulage bei dem für Sie zuständigen Finanzamt stellen (§§ 5, 6 FZulG).

Förderfähige Aufwendungen

Förderfähig sind alle Aufwendungen, die für das in Deutschland tätige FuE-Personal aufgewandt werden. Hierzu zählen neben den Arbeitslöhnen auch die Ausgaben des Arbeitgebers für die Zukunftssicherung des FuE-Personals. Erbringen Geschäftsführer oder Einzelunternehmer FuE-Leistungen, kann dieser Einsatz mit 40 € je Arbeitsstunde gefördert werden.

Zudem können die Kosten für in Auftrag gegebene Forschungs- und Entwicklungsvorhaben in einem Umfang von 60 % gefördert werden.

Steuerliche Begünstigung

Die Forschungszulage beträgt 25 % der förderfähigen Aufwendungen, maximal jedoch 200.000 € pro Jahr. Die Forschungszulage wird auf die nächste Steuerfestsetzung angerechnet bzw. ausgezahlt, sofern sie die festgesetzte Steuer übersteigt.

Beispiel:

Die A GmbH hat im Geschäftsjahr 2020 für FuE-Projekte Personalaufwendungen in Höhe von 500.000 € getragen und Forschungsaufträge in einem Umfang von 200.000 € vergeben. Sofern die FuE-Projekte förderfähig sind, kann die A GmbH die Personalaufwendungen in Höhe von 500.000 € und 60 % der in Auftrag gegebenen FuE-Kosten von 200.000 €, also 120.000 €, somit insgesamt 620.000 € ansetzen. Die Forschungszulage beträgt 25 % dieser Aufwendungen, somit 155.000 €.

Erzielt die A GmbH im Geschäftsjahr 2020 lediglich einen Gewinn in Höhe von 100.000 €, wäre sie mit rund 15.000 € Körperschaftsteuer belastet. Aufgrund der Forschungszulage werden der A-GmbH jedoch 155.000 € ./. 15.000 € = 140.000 € vom Finanzamt ausbezahlt.

Kombination von staatlichen Förderungen und Beihilfen

Erhalten Unternehmen bereits eine staatliche Förderung oder Beihilfe für ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, kann nicht (zusätzlich) eine Forschungszulage beantragt werden. Eine Kombination von Forschungszulage und anderen staatlichen Förderungen und Beihilfen ist daher nicht möglich. Im Vorfeld der Beantragung muss daher immer abgewogen werden, ob beispielsweise ein Antrag auf ZIM-Förderung gestellt wird, oder aber die Forschungszulage in Anspruch genommen wird.

Gerne stehen wir für Ihre Fragen bei diesem – zugegebenermaßen nicht ganz einfachen – Thema zur Verfügung. Wir freuen uns auf Ihren Anruf.