Corona-Soforthilfe und KfW-Sonderkredite 2020

Am 29.03.2020 hat das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg bekannt gegeben, dass die Voraussetzungen zur Gewährung der Corona Soforthilfe gelockert wurden. Nunmehr müssen Unternehmer lediglich noch nachweisen, dass die laufenden betrieblichen Einnahmen nicht ausreichen, um die laufenden betrieblichen Kosten des Unternehmens zu finanzieren. Insbesondere die privaten und betrieblichen Mittel müssen nicht mehr nachgewiesen werden.

Corona-Soforthilfe

Seit dem 25.03.2020 können nun auch in Baden-Württemberg Anträge auf die Corona-Soforthilfe gestellt werden. Den Antrag und alle Infos zur Soforthilfe finden Sie auf den Internetseiten des Wirtschaftsministeriums. Der Server ist wieder unter der Adresse https://www.bw-soforthilfe.de/Soforthilfe/einreichen verfügbar und die Anträge können wieder hochgeladen werden.

Seit dem 29.03.2020 muss nach einer Pressemeldung des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg bei Antragstellung lediglich noch nachgewiesen werden, dass die laufenden betrieblichen Einnahmen nicht ausreichen, um die laufenden betrieblichen Kosten des Unternehmens zu finanzieren (Link zur Pressemeldung).

Nunmehr muss der Antragsteller also lediglich noch an Hand konkreter Tatsachen versichern, dass durch die Corona-Pandemie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten ist, die seine Existenz bedrohen. Dies liege dann vor, wenn die fortlaufenden Einnahmen aus dem Geschäftsbetrieb des Antragsstellers voraussichtlich nicht ausreichen, um die Verbindlichkeiten in den auf die Antragstellung folgenden drei Monaten aus dem erwerbsmäßigen Sach- und Finanzaufwand (bspw. gewerbliche Mieten, Pacht, Leasingaufwendungen) zu zahlen (Liquiditätsengpass). Wir hoffen sehr, dass die Förderrichtlinie des Landes Baden-Württemberg umgehend geändert wird, damit sich alle Antragsteller auf eine eindeutige Rechtsgrundlage stützen können.

Zur Ermittlung des voraussichtlichen Liquiditätsbedarfs der nächsten drei Monate haben wir eine kleine Exceltabelle entwickelt. So können Sie überschlägig ermitteln, ob Sie in den nächsten drei Monaten eine Liquiditätslücke haben und antragsberechtigt sind.

Eine mögliche Begründung wäre z.B.:

Wir sind ein Textilgroßhandel / Maler-/Lackierbetrieb, der sich auf ... spezialisiert hat. Im Jahr 2019 haben wir Umsatzerlöse erzielt in Höhe von xxx € und damit einen Rohertrag von xxx € erwirtschaftet.

Seit Mitte März 2020 sind bundesweit die Textil-Einzelhandelsgeschäfte aufgrund behördlicher Anordnung geschlossen. Aus diesem Grund haben unsere Kunden keine Möglichkeit mehr, stationär Umsätze zu erzielen. Der Onlinehandel wird zwar noch bedient, stagniert aber derzeit ebenfalls. Der Onlinehandel kann die Umsatzeinbrüche im stationären Handel insbesondere nicht auffangen. Hinzu kommt, dass die Lieferketten unterbrochen sind. Indien und Bangladesch sind seit dem xxx im Lockdown, so dass bis voraussichtlich xxx keine Waren mehr produziert werden.

Wir werden daher im Zeitraum April 2020 bis Juni 2020 lediglich noch folgende Roherträge erzielen können

  • Umsatzerlöse April: xxx € ./. Wareneinsatz xxx € = Rohertrag April xxx €
  • Umsatzerlöse Mai: xxx € ./. Wareneinsatz xxx € = Rohertrag Mai xxx €
  • Umsatzerlöse Juni: xxx € ./. Wareneinsatz xxx € = Rohertrag Juni xxx €

Wir gehen also in den nächsten drei Monaten von Einnahmen aus in Höhe von xxx € aus.

Unsere Kosten in den nächsten 3 Monaten werden sich auf folgende Beträge summieren:

  • Lohnzahlungen: 3 Monate x xxx € = xxx €. Zum Kurzarbeitergeld konnte uns noch keine Auskunft gegeben werden, wann dieses vom Arbeitsamt erstattet wird. Daher gehen wir heute vom schlimmsten aus und nehmen die Summe von xxx € mit in den Liquiditätsengpass mit auf
  • Miete und Raumkosten: 3 Monate x xxx € = xxx €
  • Fixkosten (Kfz, Versicherungen, Sonstiges) in der Größenordnung des Vorjahres gemäß BWA 12/2019 in Höeh von xxx € : 12 = xxx € / Monat. Die Fixkosten in den nächsten 3 Monaten werden daher voraussichtlich xxx € betragen.
  • Finanzierungsraten: die Finanzierungsraten in den nächsten 3 Monaten werden betragen: 3 Monate x xxx € = xxx €
  • Für die private Lebensführung setzen wir den pauschalen Unternehmerlohn gemäß Förderrichtlinie an in Höhe von 3 x 1.180 € = 3.540 €.

Die Gesamtkosten / Verbindlichkeiten in den nächsten 3 Monate summieren sich daher auf insgesamt ca. xxx €. 

Die anfallenden Kosten und Verbindlichkeiten in Höhe von voraussichtlich xxx € werden ohne staatliche Zuschüsse aus den laufenden betrieblichen Einnahmen von voraussichtlich xxx € nicht gestemmt werden können. Aus diesem Grund beantragen wir die Soforthilfe-BW in Höhe von xxx €. Die restliche Liquiditätslücke schließen wir über vorhandene Mittel bzw. Inanspruchnahme von Krediten.

Weitere Beispiele für eine Formulierung der wirtschaftlichen Notlage finden Sie beispielsweise auf den Internetseiten der Handwerkskammer Stuttgart

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die für Sie zuständige IHK oder HWK. Die Kontaktdaten finden Sie online auf den Seiten des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg.

Auch in anderen Bundesländern können Sie Soforthilfen beantragen:

Eine Übersicht über die einzelnen Förderprogramme finden Sie online z.B. unter https://www.fuer-gruender.de/blog/corona-soforthilfen-bundeslaender/.

KfW-Sonderkredite für KMU 2020 (047/076) und L-Bank Liquiditätskredit 

KfW-Sonderkredite

Am 19.03.2020 hat die EU Kommission die beihilferechtlichen Grundlagen veröffentlicht, auf deren Basis nun die KfW-Sonderprogramme für KMUs (Sonderkredite 047 und 076) aufgelegt hat. Die Programme stehen ab dem 23.03.2020 für alle Unternehmen zur Verfügung, die bedingt durch die Corona-Krise vorübergehend Finanzierungsschwierigkeiten haben. Die Sonderkredite können daher nur Unternehmen beantragen, die zum 31.12.2019 kein Unternehmen in Schwierigkeiten im Sinne der EU-Definition waren. Der Kredithöchstbetrag beträgt

  • maximal 25 % des Jahresumsatzes 2019 oder
  • aktueller Liquiditätsbedarf für die nächsten 18 Monate (KMU) oder
  • doppelte Lohnkosten im Jahr 2019

Es können sowohl Investitionen als auch Betriebsmittel finanziert werden. Dabei werden Betriebsmittelfinanzierungen mit einer Laufzeit bis zu 5 Jahren mit einem tilgungsfreien Anlaufjahr und als endfällige Variante mit 2 Jahren Laufzeit angeboten. Investitionsfinanzierungen werden mit einer Laufzeit bis zu 5 Jahren mit einem tilgungsfreien Anlaufjahr angeboten. 

Die KfW bietet für kleine und mittlere Unternehmen eine 90%-ige Risikoübernahme (Haftungsfreistellung) an, jeweils sowohl für Betriebsmittel als auch für Investitionen.

Die Soll-Zinssätze betragen 1,00 % p.A. (Preisklassen A bis F)

Zur Vorbereitung können Sie die Checkliste auf den Seiten der KfW ausfüllen. Weitere Details zu den KfW-Krediten finden Sie online auf den Seiten der KfW.

Bei Kreditbeträge bis einschließlich 3 Mio. € müssen bei der Hausbank lediglich die üblichen Unterlagen eingereicht werden, also letzter Jahresabschluss (im Optimalfall zum 31.12.2019) und aktuell BWA mit Summen- und Saldenliste sowie eine aktuelle Selbstauskunft (Formular z.B. unter http://www.vdb-info.de/media/file/39111.VDB_Selbstauskunft_05-2018.pdf). Um den Kreditbedarf zu ermitteln, sollte zudem eine Ertrags- und Liquiditätsplanung für das Jahr 2020 erarbeitet werden, aus der der erhöhte Kapitalbedarf hervorgeht. Einige Banken, z.B. die Volksbank Reutlingen eG, haben "Corona-Checklisten" erarbeitet, welche zusätzlich zum Antrag vorbereitet werden müssen.

L-Bank Liquiditätskredit

Auch die L-Bank Baden-Württemberg hat "Corona-Hilfskredite" aufgelegt bzw. bestehende Programme angepasst. Über den L-Bank Liquiditätshilfekredit können Sie als in Baden-Württemberg ansässiges Unternehmen mit maximal 500 Beschäftigten insbesondere auch Betriebsmittel finanzieren.Die Kredite reichen von 10.000 EUR bis 5.000.000 EUR und haben Laufzeiten von 4 bis 10 Jahren (mit 0 bis 2 tilgungsfreien Jahren). Die Ausfallbürgschaften betragen lediglich 80 % und die Zinssätze der L-Bank sind aktuell höher - je nach Laufzeit 1,00 % nominal (1,18 % effektiv) bis 7,40 % nominal (7,83 % effektiv)

Die Zinssätze der L-Bank sind daher wesentlich höher als bei der KfW. Allerdings können die Kredite der L-Bank jederzeit zurückbezahlt werden, was sich positiv auf das Bilanzbild auswirken kann und bei kürzerer Laufzeit einen absoluten Zinsvorteil ergeben kann.

Alle Infos zum Liquiditäts-Hilfekredit der L-Bank finden Sie auf den Seiten der L-Bank.

Abschließend noch ein wichtiger Hinweis

Alle Kreditprogramme befinden sich noch im Fluss und werden ständig überarbeitet. Wir raten daher aktuell, noch ein wenig abzuwarten. Eventuell passt die L-Bank ihre Zinskonditionen noch einmal an und senkt diese auf das Niveau der KfW ab. Also: Geduld!